Mads Mikkelsen: Der Große Däne

Der preisgekrönte dänische Schauspieler spricht über seine Liebe zu Mallorca

„Wenn man sich in eine Frau verliebt, will man ihre volle Aufmerksamkeit. Ich liebe Mallorca von ganzem Herzen, und deshalb bedeutet mir diese Auszeichnung persönlich so viel.“

So beginnt das Gespräch mit Mads Mikkelsen, Gewinner des Preises für den besten Schauspieler bei den Filmfestspielen von Cannes für seine beeindruckende Leistung in Jagten (The Hunt, 2012). Der Film setzt die beeindruckende Serie des „neuen dänischen Films“ fort, getragen von einer Generation hyperrealistischer Filmemacher, die in den 1990er Jahren die „Dogme-95-Filmbewegung“ ins Leben riefen.

Das Publikum kennt Mikkelsen aus seiner Rolle als Hannibal Lecter in der Fernsehserie „Hannibal“; aus seiner Darstellung in den „Pusher“-Filmen; als Le Chiffre, den James-Bond-Bösewicht aus „Casino Royale“; und aus wichtigen Rollen in den zwei Hollywood-Blockbustern „Doctor Strange“ und „Rogue One: A Star Wars Story“.

Das Evolution Mallorca Film Festival hat ihn als Schauspieler geehrt, der das Publikum inspiriert, Grenzen überwindet und Kulturen überbrückt. Mikkelsen ist ein Visionär, der eine Vorliebe für komplexe und schwierige Charaktere gezeigt hat und mit riskanten Independent-Filmen jonglieren kann. Gleichzeitig tritt er auch in Hollywood-Blockbustern auf. „Viele Schauspieler haben nicht die Möglichkeit, beides zu tun“, weiß er genau.

„Der Charakter, den ich am meisten mochte, ist Hannibal. Er ist die Idee des gefallenen Engels. Er sieht Schönheit überall, er ist ein sehr moralisches Wesen. Und in der Komödie „The Green Butchers“ der Charakter Svend, ein Idiot, der ständig lügt und weint. Bei Thrillern stammen meine Lieblings-Charaktere von „The Hunt“ und „The Pusher 2“. In Europa kann ich gute und schlechte Charaktere spielen, aber in Hollywood tut man sich immer schwer, wenn man Englisch mit Akzent spricht.“

“Auf dem Festival wurde mit „Arctic“ der neueste Film des Schauspielers gezeigt, eine Überlebensgeschichte unter der Regie des neuen Regisseurs Joe Penna. „Es ist das Porträt eines Mannes, der nach einem Flugzeugabsturz vom Überleben zum Leben übergeht. Es ist eine innere emotionale Reise, sehr mutig und radikal, und deshalb habe ich zugestimmt, die Rolle zu übernehmen. Das Shooting war eine echte Tortur wegen der brutalen Wetterbedingungen in Island. Die geplanten 35 Drehtage wurden wegen Budgetkürzungen auf 19 reduziert. Wir arbeiteten 20 Stunden am Tag, der pure Rock‘n‘Roll-Stil“, so Mikkelsen.

Der Schauspieler lebt in Dänemark, verbringt aber viel mehr Zeit auf Mallorca. „Ich kam vor ungefähr 20 Jahren zum ersten Mal nach Mallorca, als mein Sohn noch sehr klein und meine Tochter 4-5 Jahre alt war. Meine Frau hatte schon als Kind hier Urlaub gemacht und wollte das mit ihrer eigenen Familie auch tun. Ich hatte zunächst Bedenken wegen des Klischees von der wütenden Partyinsel. Aber als mir meine Frau Deià gezeigt hat, verliebte ich mich Hals über Kopf in die Insel.“ Danach haben wir uns Valldemossa angesehen und viele weitere traumhafte Orte. Es ist eine unglaubliche Insel, die mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Wir haben hier ein Haus gekauft. Ich liebe es, im Freien zu sein, mit dem Fahrrad Berge hoch und runter zu fahren, im Januar Tennis zu spielen. Die Gastfreundschaft der Mallorquiner begeistert mich, ich bin fasziniert von ihrem Regionalstolz. Das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Insel ist unbeschreiblich und etwas ganz Besonderes.“

Sein nächster Kinostart wird „Chaos Walking“ (2019) sein, ein amerikanischer Science-Fiction-Film nach dem Roman von Patrick Ness. „Es ist die Geschichte eines Jungen, der in einer Stadt lebt, wo ein Keim alle Frauen vernichtet und nur Männer zusammenleben. Und sie können die Gedanken der anderen hören. Meine Rolle ist der Antagonist, Bürgermeister Prentiss, ein Mann, der versucht, in der Situation das Richtige zu tun.“ Der sympathische Schauspieler besticht durch seinen Humor und seine Eleganz: „Ich will noch in so vielen Filmen mitspielen wie möglich. Wenn das Publikum mein Gesicht irgendwann nicht mehr sehen kann, würde ich gerne Regie führen.“

Fotos von Estefanía Durán