Sabine Christiansen

Sabine Christiansen (50) ist Deutschlands bekannteste TV-Moderatorin (“Tagesthemen”, “Sabine Christiansen”) und seit vielen Jahren bekennender Mallorca-Fan. Sie besitzt in der Nähe von Andratx ein Haus in ländlicher Umgebung. Im Frühjahr 2008 trat sie sogar als Werbe-Botschafterin der Balearen bei der Tourismusmesse ITB in Berlin auf. Am 28. Juni folgte ein ganz wichtiges privates Ereignis. Sabine Christiansen heiratete ihren Lebensgefährten, den französischen Textil-Unternehmer Norbert Medus (55), im engsten Freundeskreis in Paris. Im Juli wurde mit 180 Gästen auf Ibiza, Tagomago und Formentera gefeiert. Beruflich konzentriert sich Sabine Christiansen seit 2007 auf ihre Produktions­firma “TV21”. Desweiteren engagiert sie sich in mehreren Gremien für benachteiligte Minderjährige. Sie ist Unicef-Botschafterin und unterhält eine eigene Stiftung (“Sabine Christiansen Kinder­stiftung”).

Warum tun Sie sich so viele Ämter an?
Das belastet mich nicht. Seit ich die Sendung “Sabine Christiansen” 2007 aufgegeben habe, ist mein Terminkalender recht entspannt. Nach neun Jahren Chefredaktion und täglichem Stress habe ich diesen Cut gebraucht. Die Sendung “Global Players” auf CNBC moderiere ich nur einmal pro Woche.

Was bedeutet Ihnen der Einsatz für benachteiligte Kinder?
Mir ist es sehr wichtig, dass ich ausländischen Kindern bei der Integration in Deutschland helfen kann. Durch Unicef habe ich die Chance, als Beirätin in angegliederten Organisationen Einfluss zu nehmen. Es gibt zum Beispiel Flüchtlingskinder aus dem Irak, die sozial keinen Halt finden. Es ist mühsam, weil es Behördengänge und Nacharbeit beinhaltet. Klar ist das nicht so medienwirksam wie ein Auftritt in mitten eines Dorfes von Aids-Waisen in Afrika.

Und zur Entspannung kommen Sie auf die Insel.

Wir verbringen in jeder Saison einige Wochenenden oder mehr auf Mallorca. Es ist eine wunderbare Insel, deren Vielfalt sich nicht im heißen Sommer allein erschließt. Im Frühjahr und Herbst machen Tennis, Radtouren und Erkundungen weit mehr Spaß als unter sengender Sonne.

Sind die Besuche durch die vermehrte Verlagerung Ihres Lebensmittelpunktes nach Frankreich weniger geworden?
Mein Mann ist zum Glück ebenso begeisterter Balearen-Fan wie ich, daher sind wir froh, dem Großstadtrummel und dem Bürostress in beiden Städten immer wieder zu entfliehen. Leider sind die Flug­verbindungen nach Paris nicht ganz so zahlreich wie nach Berlin.

Wie kam es zur Aktion als Tourismus-Botschafterin 2008?
Ein mallorquinischer Freund sprach mich an. Er gab den Wunsch des Tourismus­ministeriums weiter, welches gern eine „Überzeugungstäterin“ auf der Bühne sehen wollte und eben keine Werbefigur im klassischen Sinne. Da ich mich immer schon gern und offen in der Presse als Mallorca-Fan geoutet habe, war es mir eine Freude mitzumachen und ich habe spontan zugesagt. Übrigens: alle Freunde, die, wie wir, diese Insel sehr mögen, heißen trotzdem nicht alle Entwicklungen gut. Konstruktive Kritik und Offenheit gehören, wie bei guten Freundschaften, einfach dazu.

Was genießen Sie am meisten auf Mallorca?
Das hängt ganz von der Jahreszeit ab. Wir sind gern sehr privat und weniger in den „In-Places“ zu Hause. Mallorca lässt zum Glück die Wahl. Freunde sehen, ein wenig Zeit für sich und die Familie zu haben, das Tempo herunter zu drehen, leger und privat sein zu dürfen, das genießen wir zu jeder Jahreszeit.

Welche Orte sind für Sie die schönsten der Insel?
Pollensa, die Gegend um Binisalem, unseren Südwesten hinter den bebauten Küsten – das Meer und die kleinen Calas (welche verrate ich nicht), in denen man so herrlich schwimmen und auf dem Boot relaxen kann.

Wie fing alles an?
Ich glaube, mein erster Besuch ist mehr als 20 Jahre her. Mein erstes Grundstück habe ich dann wenige Jahre später erstanden, mit einem wunderbaren Blick auf das Meer. Aber dann wurde es mir darum herum in Puerto Andratx zu voll und es zog mich weiter und weiter ins Hinterland. Heute sehen wir den Hafen über einige Kilometer grünes Land hinweg aus der Ferne und das ist gut so.

Warum wählten Sie ausgerechnet Mallorca, das Synonym für Massentourismus? Ihr Mann soll Ibiza bevorzugen.
Ibiza und Formentera hatten und haben für mich genauso wie für meinen Mann eine große Anziehungskraft im Sommer. Norbert hat früher viel Zeit auf Ibiza verbracht, seine Söhne lebten dort mehrere Jahre bei seiner Ex-Frau. Mallorca ist der Treffpunkt für das ganze Jahr mit hervorragender Anbindung eben durch den Massentourismus.

Die deutsche „Vorzeige-Frau“ und die „Insel der Deutschen“ – eine perfekte Kombination?
Ich weiß nicht – dazu sind wir vielleicht in unserer “Mixed family” schon wieder zu exotisch. Und ich finde es auch gut, wenn sich möglichst viele Nationalitäten in den mallorquinischen Gemeinden für ihre Ferien zusammen finden. Ich habe den Eindruck, dass Mallorca, gerade im hochwertigen Tourismusbereich, mittlerweile so international bevölkert ist wie andere Ferienregionen im Mittelmeer auch.

Empfinden Sie die deutsche Community auf Mallorca als Vorteil?

Unser Gartenspezialist ist Australier, unser Sanitärfachmann Franzose, unser Tischler alteingesessener Mallorquiner wie mein Architekt, unsere Freunde kommen aus Deutschland, England, Frankreich, Italien, aus Moskau und den USA hierher. Hier herrscht Sprachengewirr und Wohlfühleffekt, egal woher jemand kommt.

Waren Sie schon einmal an der Playa de Palma bzw. würden Sie für eine PR-Aktion dort auftreten?

Natürlich war ich dort schon mal – im Winter. Da ist es wunderbar und fast einsam. Sylter Feeling, wenn man mit dem Hund dort spazieren geht. Zu PR-Aktionen dort passen wohl eher andere bekannte Landsleute.

Was halten Sie von der Umweltorganisation GOB, die gegen die Bauwut auf der Insel kämpft?
Ich habe glücklicherweise die Möglichkeit, mit vielen Politikern auf der Insel persönlich darüber reden zu können. Das uns Ausländern, die wir nicht gekommen sind, um hier Geschäfte mit Immobilien zu machen, vieles an der Bauwut geärgert hat, ist klar. Leider sind es auch immer wieder spanische Investoren, die sich an landschaftverschandelnden Objekten beteiligt haben. Mallorca unternimmt allerdings auch viel, um die Dinge zum Besseren zu wenden. Sonst wandern auch wichtige Gäste ab, Das hat man gelernt, hoffe ich.

Sollten Deutsche und Briten Spanisch und Mallorquín lernen, wenn Sie sich hier einen Zweitwohnsitz zulegen?

Ich kenne viele Spanier, die sehr wenig oder gar kein Französisch sprechen,obwohl sie bereits lange in Paris leben. Sie sagen, die Ähnlichkeit der Sprache reiche aus, um das Meiste zu verstehen. Zum eigenem Vorteil sollte man hier des Spanischen mächtig sein, zumindest aber aus Höflichkeit im täglichen Umgang heraus. Will man Verträge verstehen und mit lokalen Anbietern verhandeln, sollte man sicher Spanisch sprechen. Mallorquin finde ich nicht zwingend.

Der perfekte Tag von Sabine Christiansen auf Mallorca sieht folgendermaßen aus:
Ich bin Frühaufsteherin. Gegen 7 Uhr 30/ 8 Uhr ausgiebieger Hundespaziergang, Brötchen, Croissants mitbringen, wenn es nicht zu heiß ist: Tennis spielen, sonst Schwimmen, dann meist zwei bis drei Stunden Büroarbeit, Siesta, lesen, Boot fahren. Ab 17/18 Uhr wieder eine Stunde E-Mails lesen, Telefonate führen, an den Hafen fahren. Ich liebe es, die „Beute“ direkt dort zu kaufen, wenn die Fischkutter zurückkommen. Danach Kochen für viele, im Garten sitzen, gemütlich essen. Sterne gucken bei Nacht.

Wie erleben Sie selbst das verstärkte Interesse der Presse an Ihrem Privatleben – als Journalistin?
Die Paparrazi wollen ihr Geschäft gut machen, das kann ich nachvollziehen. Aber den Photoapparat auf zwei Meter Distanz beim Brötchen holen oder Freunde besuchen zu haben, in die Linse zu schauen, die über den Zaun des Grundstücks gerichtet ist oder den Helikopter am Nachmittag, der im Tiefflug über das Haus geht – nur dagegen wehren wir uns. Ansonsten leben wir ganz normal und haben selbst unsere Hochzeit hier auf den Balearen ohne Zeltbauten und hohe Mauern gefeiert.

Der Status, den Sie durch den Polit-Talk „Sabine Christiansen“ in Deutschland erreichten, ist enorm. In der Öffentlichkeit wurden Sie zum Synonym für Tugenden wie Mut, Geradlinigkeit und Klarheit. Haben Sie eine Vorbildfunktion?
Meine Redaktion und ich haben zehn Jahre lang als Marktführer die Debatte der Woche bestimmt und das in spannenden, innen- wie außenpolitischen Zeiten. Es war harte Arbeit. Leider bin ich selber immer wieder für die Geradlinigkeit, Fairness und Klarheit von einigen Medien kritisiert worden. Aber die Langlebigkeit des Formats hat uns recht gegeben. Manchmal wundert es mich, wie groß der Zuspruch und die Aufforderung weiterhin ist, doch wieder an die „politisch-journalistische TV- Front“ zu gehen.