Suzi Quatro

Über vierzig Jahre sind vergangen und die scharfe Rockerbraut ist heute weiser, stärker und sogar noch kratzbürstiger als in jenen legendären Tagen der Siebziger, als sie mit ihrem Hit Can the Can die Konzertbühnen der Welt eroberte: ein 1,52 m großer Feuerball in schwarzes Leder gekleidet, mit einer riesigen Bassgitarre und einer Stimme, die der Teufelin den Ruf des weiblichen Mick Jaggers einbrachte. Von Ihrer Jugendlichkeit scheint Suzi, von ein paar Lachfältchen abgesehen, nichts eingebüßt zu haben. Sie hat ihre mädchenhafte Figur gehalten, trägt Jeans und sieht in schwarzem Leder immer noch umwerfend aus.

Als wir uns vor zwei Jahren das letzte Mal in der Nähe ihres Hauses auf Mallorca trafen, hatte Suzi gerade ihre neue CD Back to the Drive, veröffentlicht. Ich machte mich nicht gerade beliebt, als ich sie fragte, was sie zu ihrem Comeback bewegt habe – ein Kapitalfehler. „Ich war nie weg,“ war die spröde Antwort. „Ich absolviere 60 – 90 Auftritte im Jahr. Ich habe nie damit aufgehört.” Ohoh. Seither und  nach Erscheinen ihrer Autobiographie „Unzipped“ im letzten Sommer, hat sich diese Zahl fast verdoppelt. Die anstrengenden Welttourneen führten sie nach Deutschland, England und Australien: Letzten Monat spielte sie in der gleichen Woche in Dänemark und der Tschechei.

Was motiviert sie weiterzumachen? „Ich bin ein Entertainer durch und durch. Es ist mein Antrieb und Teil meines Leben. Wenn ich irgendwann ein falsches Lachen aufsetzen muss, um meine Show hinter mich zu bringen, ist es Zeit aufzuhören.“

Dennoch ist das Kapitel „Rockstar“ nur Teil ihrer bedeutenden Karriere. „Eigentlich habe ich von allem etwas getan, inklusive die Hauptrolle in Annie Get your Gun im Londoner West End gespielt. Ich habe ein Musical geschrieben und selbst eine Rolle darin übernommen und vor Kurzem hatte ich meine eigene Talkshow im Radio und im Fernsehen. Wussten sie, dass meine BBC Rocksendung für den „Music Broadcaster of the Year“ nominiert wurde?“ fügt sie hinzu, um dann noch zu bemerken, dass sie auch in Fernsehserien wie Minder, Dempsey und Makepeace und Absolutely Fabulous zu sehen war. Am meisten Aufsehen erregte 1977 die erste Filmrolle als Leather Tuscadero in der Kultserie Happy Days, in der sie das weibliche Pendant zu Fonz spielte. Typisch für die starke, unabhängige Frau, dass sie nach drei erfolgreichen Jahren das Angebot einer Nachfolgerserie ausschlug, weil sie nicht auf eine Rolle festgelegt werden wollte. „Es war genug und an der Zeit weiter zu ziehen. Und ich sollte Recht behalten.“

Trotz des Erfolges, ist Suzi natürlich und bodenständig geblieben und verfügt über einen lebhaften Sinn für Humor. „Ich wollte schon immer berühmt sein und ich wollte auch immer normal sein, beides habe ich erreicht“. Den Persönlichkeiten aus dem Shobiz, zieht sie Freunde aus anderen Bereichen vor. Ihr Debut als Schriftstellerin erhielt viel Anerkennung und Unzipped verkauft sich gut. „Als ich mich einmal dazu entschlossen hatte, das Buch zu schreiben, habe ich für drei Monate nichts anderes getan. Erst als es fertig war, kam ich wieder aus meinem Schneckenhaus und stellte fest, dass ich dringend zum Friseur musste“ lacht sie. Dann war es an Zeit, ihr Haus in der Nähe von London zu verlassen und in ihren Unterschlupf bei Palma zurückzukehren.

„Ich komme nach Mallorca seit ich mit meinem zweiten Mann, dem deutschen Konzertpromoter Rainer Haas, zusammen bin, schon über 15 Jahre. Wenn ich hier bin, jogge ich, gehe Schwimmen, Einkaufen oder Essen. Früher waren wir bei Freunden oder sind in einem Hotel in Illetas abgestiegen, aber eines Tages entdeckten wir beim Joggen Bendinat, das alles hatte, was wir suchten. Wir verliebten uns in die Musterwohnung und den Traumblick über die Bucht und kauften sie vom Fleck weg. Jetzt haben wir einen Platz um abzuschalten. Ich komme hierher, wann immer ich Zeit habe, mindestens vier Mal im Jahr. Ich liebe den Luxus, dass alles vorbereitet ist, wenn ich ankomme. Es ist fantastisch, zu landen, aus dem Flugzeug zu steigen und sofort abschalten zu können. Hier gibt es keine Hektik und ich fühle mich sicher. Den Sommer verbringe ich hier mit meiner Enkelin Amy.“

Ja, Suzi ist eine Rockoma und gibt zu in Amy, die sechsjährige Tochter ihrer Tochter Laura, vernarrt zu sein (Suzi hat noch einen Sohn, Richard.). Suzi wuchs in Detroit als Tochter einer Ungarin und eines Italieners auf und so bedeutet die Familie alles für sie. Tatsächlich begann ihre Karriere in einer Mädchenband, zusammen mit ihren Schwestern. Ich sehe sie oft in Puerto Portals. „Ich liebe die Auswahl in Portals: es ist ideal um zu Shoppen und Essen zu gehen. Mein Lieblingsrestaurant ist allerdings Koldo Royo in Palma.“

Das Showbiz hat sich verändert. Was denkt sie über die aktuellen Rock- und Popbands? „Es gibt einige gute Bands wie Keane oder die Red Hot Chilli Peppers. Joss Stone ist wirklich süß. Wer großes Talent hat, ist Amy Winehouse, weil sie auch völlig außergewöhnlich ist. Leider setzt ihr genau das sehr zu.

“ Gibt es etwas, dass sie nach mehr als vierzig Jahren im Showgeschäft, noch erreichen möchte? „Ich würde gerne noch ein Album produzieren und Unzipped 2 schreiben. Dann würde ich gerne noch einen Roman und ein Drehbuch verfassen (ich habe viel fürs Fernsehen und Theater gearbeitet) und 2014 fünfzig Jahre im Showbusiness feiern.“

Woher nimmt sie die Ideen für ihre Songtexte? „Die kommen überall. Ich schreibe mir ständig Titel auf. Man hört hin, hält die Augen offen und plötzlich ist es da. Ich schrieb Free the Butterlfy für meinen ersten Mann (den Leadgitarissten Len Tuckey). Ich war so weit, mich von ihm zu trennen, wusste aber nicht, wie ich es ihm sagen sollte. Also schrieb ich das Lied.“ Hat er den Wink verstanden? „Nein, zuerst nicht“ lacht sie. “Aber es war der Anfang von allem. Wir ließen uns nach 22 Jahren scheiden. Wir sind immer noch die engsten Freunde und haben die letzen Jahre sogar Weihnachten bei ihm gefeiert.“ Sicherlich ein Beweis für Suzis liebenswertes Wesen und ihre Fähigkeit das Gleichgewicht zwischen alt und neu zu halten.