Kunstphotograph Miquel Salom

Treffen Sie den Fotografen, der eine Technik von 1851 verwendet

Die heutige Technologie erlaubt es fast jedem annehmbare Fotos zu machen. Mit der Ergänzung des internationalen ‚Travel Photographer of the Year Award‘ um eine weitere Kategorie wurde das auch offiziell anerkannt: ‚Smart Shots‘ umfassen mit einem Smartphone oder Tablet aufgenommene Fotos. Momente rechtzeitig für die Nachwelt festzuhalten hat eine lange Tradition. 1851 entwickelte der Brite Frederick Scott Archer die Kollodium-Nassplatte für fotografische Aufnahmen.

Diese zu seiner Zeit revolutionäre Methode ermöglichte es, Bilder auf einer Glasoberfläche festzuhalten. Archer gab dieser Methode den Namen Ambrotype, was im Griechischen „unvergänglich” bedeutet. Es war eine komplizierte, zeitintensive Methode und die verwendeten Chemikalien konnten unter Umständen gefährliche Auswirkungen auf den Fotografen haben. Aber es ging nur um das Endergebnis.

Miquel Saloms jüngste Ausstellung ‚ICTUM OLIM II‘ im Sant Domingo Kloster in Pollensa ermöglichte den Besuchern, einen Einblick in diese Methode und ihre außergewöhnlichen Ergebnisse zu bekommen. Die erste ‚ICTUM OLIM‘ Ausstellung war 2012 in Palmas Casal Solleric zu sehen. Diese zeigte Ambrotype-Fotografien, die in Miquels Studio aufgenommen wurden.

‚ICTUM OLIM II‘ entstand aus der Liebe des Fotografen zu Pollensa heraus: „Ich habe seit vielen Jahren ein Haus hier und wollte die malerische Schönheit dieser Gegend mit seinem Meer und seinem Land festhalten. „Ich habe eine sehr enge Verbindung zu der hiesigen Landschaft.” Auf einer Reise zur Stanford University in Kalifornien wurde Miquel von den Yosemite-Aufnahmen des Fotografen Carleton Watkins aus dem 19. Jahrhundert inspiriert. Daraufhin entschied sich der Autodidakt, die gleiche „authentische Methode, die den Ursprung der Fotografie darstellt,” einzusetzen.

 

Er folgte Watkins Philosophie und untersuchte die Methode eingehend. Die Herausforderung im Freien mit den 18 erforderlichen heiklen Chemikalien zu arbeiten, schloss auch „die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und den Luftdruck” ein. Miquel baute sich seine eigene abtrennbare Kamera und richtete sich ein Entwicklungslabor in einem Zelt ein, wie es auch von Reisefotografen zu jener Zeit verwendet wurde. Hierfür brauchte er ein ganzes Jahr. Dann folgten weitere Stunden, um das Zelt vor Ort aufzubauen, die 22 notwendigen Schritte zur Aufnahme des Bildes durchzuführen und am Ende alles wieder zusammenzupacken. „Es passte alles in meinen Prius,” erzählt Miquel.

Er ging schon um Mitternacht zu den jeweiligen Standorten und versteckte die Chemikalien unter einem Busch, so dass sie sich bis zum nächsten Morgen stabilisieren konnten und zum Einsatz bereit waren. Diese Arbeit musste im Frühling oder Herbst oder an einem schönen Wintertag durchgeführt werden. Der Sommer war zu heiß.

Die unvermeidlichen kleinen Mängel der Nassmethode tragen zu der Schönheit des Bildes bei und verleihen ihm sein antikes Aussehen. Schauen Sie genau hin und Sie werden in manch einem Bild, das eine Fotografie aus alten Zeiten zu sein scheint, einen Hinweis auf das 21. Jahrhundert entdecken: eine Dame im Bikini, die gerade aus dem Meer kommt oder ein Motorboot mit Anker.

Im Gegensatz zu den vielen Schnappschüssen und Selfies, die wir alle machen (und später wahrscheinlich wieder löschen), ist jedes Bild von Miquel außergewöhnlich und bewegend und erzählt seine eigene Geschichte. Er zeigt uns seine Aufnahme des Leuchtturms von Formentor – ein Ort von unglaublich wilder Schönheit. Für diese Aufnahme ging er morgens um 4.30 Uhr zu seinem Standort, um seine Ausrüstung aufzubauen (die er am Abend zuvor dorthin gebracht hatte). Als sein Assistent um 7 Uhr ankam, war mit dem Tagesanbruch der Himmel rot erleuchtet und – wie in der Fotografie zu sehen – Menorca im Hintergrund von den Sonnenstrahlen beleuchtet. „Als ich das Foto endlich hatte, verließ ich das Zelt und war von 20 wilden Ziegen umzingelt! Ein magischer Moment,” erinnert sich Miquel. An einem Punkt unseres Gesprächs vergleicht er eine erfolgreich bearbeitete Nassplatte mit dem im Arm halten eines neugeborenen Kindes.

‚ICTUM OLIM II‘ – eine außergewöhnliche Ausstellung mit Fotografien vom Norden Mallorcas im 21. Jahrhundert – ist durch viel Hingabe, Geduld und mit so manchem Risiko entstanden. Miquels Werke zeugen von seiner Liebe zu Mallorca und weisen eine immer seltener werdende Qualität auf: Einzigartigkeit.

Es ist wundervoll, eine Person zu treffen, die voller Leidenschaft und Begeisterung bei der Arbeit ist, Miquel Saloms Liebe zur Fotografie ist offensichtlich. Für Helen Cummins ist es eine noch größere Ehre, von einem solchen Künstler eingeladen zu werden, ein Porträt von ihr aufzunehmen. Miquel hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Art von Fotografie zu untersuchen, sie zu fördern und neu einzusetzen, die in der heutigen Zeit einzigartig – und weit von gewöhnlicher Fotografie entfernt ist.

Dieses besondere Verfahren heißt Ambrotypie und entstand in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Mit Kristallglas und Metall ist der gesamte Prozess eine nasse Angelegenheit und gibt dem Vorgang seinen ursprünglichen Namen Nassteller-Kollodium. Nachdem der diese Methode mehr als 10 Jahre lang erlernte, machte er sie schließlich zu seiner Methode. Und eine Arbeiten entwickelten eine erstaunlich direkte und einzigartige Wirkung, die den meisten digitalen Fotografien fehlen. Der Künstler sieht sie als Kombination einer wieder entdeckten alten Kunst und einem zeitgenössischen Künstler, Hand in Hand mit der notwendigen Präzision eines Chemikers.

Weniger als 200 Menschen auf der ganzen Welt wenden diese geheime Methode der Fotografie an, nur ein Bruchteil davon in Spanien. Miquel trägt zur Wiedergeburt dieses traditionellen Verfahrens bei, um erneut die Reinheit der Fotografie zu erlangen, aber auch um den Reichtum der Silbernitrat-Fotografie zu bewahren, den man durch das Fortschreiten der Digitalfotografie verloren glaubte. Seine Porträtfotos verbreiten Erinnerungen an vergangene Jahrhunderte, und seine Objekte scheinen aus der Fotografie herauszutreten – voller Leben, Charakter und Stärke.

Das Ergebnis dieser Methode ist einzigartig und kann aufgrund der Beschaffenheit der Variablen nicht vorausgesagt oder wiederholt werden. Verunreinigungen bei den Chemikalien, Qualität und Zusammensetzung des Wassers, Temperatur, Feuchtigkeit und nicht zuletzt das Thema des Fotos spielen beim Ergebnis eine Rolle. Miquel erklärt, dass diese Methode auch ein großes Gesundheitsrisiko darstellt und äußerst giftig ist, sofern man nicht die angemessenen Vorkehrungen trifft, d. h. auf Maske und Handschuhe verzichtet.

Auf Mallorca geboren, zeigte sich Miquels Liebe zur Fotografie bereits im zarten Alter von 14 Jahren, als sein Vater ihm erlaubte, ein Foto mit einer Kodak-Kamera zu schießen. Seitdem widmet er sich ausschließlich seiner Kamera und der Kunst der Fotografie. Miquel sieht Fotografie als spirituelle Entdeckung, die eine tiefe Verbindung zwischen der Seele des Künstlers und dem Fotografen ermöglicht. Er ist viel gereist und hat über 50 Länder und unterschiedliche Kulturen besucht, dennoch beschließt er, sein Leben abwechselnd auf der schönen Insel Mallorca und in New York zu verbringen – zwei völlig gegensätzliche Orte, die er Heimat nennt. Hauptziel seiner fotografischen Werke ist, seine Neigung zur Kunst mit anderen zu teilen und sie dafür zu gewinnen, ihre eigene Seele zu verstehen.

Miquel lud uns ein, ihn in einem seiner Studios auf Mallorca zu besuchen und den faszinierenden Prozess zu beobachten, wie seine Stücke Gestalt annehmen. Helens erste Frage an Miquel war, ob es (sehr) wehtun würde? Seine Antwort war zutreffend: “Nada… aber man braucht Geduld“. Normalerweise dauert es eine halbe Stunde, um das empfindliche Murano Glas vorzubereiten – es muss tadellos sauber sein, dann wird es in einem dunklen Raum aufbereitet, und ein Brett wird aufgebaut, das später in einen speziell konstruierten Kamerakasten vor dem Objektiv eingesetzt wird. Sitzposition – Kopfhalter, Blendschutz und Miguels einzige Anweisungen: „Denken Sie an etwas, das Sie glücklich macht, und bitte nicht bewegen.“

Er entfernt die Kappe, die das Dallmeyer Objektiv auf einer Kamera von 1890 bedeckt, die er in New York erwarb; Miquel zählt bis acht, und Helen konzentriert sich, in der Hoffnung, dass ihm die Aufnahme gelingt, die ihm vorschwebt. Das Bild aufzunehmen geht schnell und dauert nur 15 Minuten – das heißt, wenn das gewünschte Ergebnis erzielt wird, was in Helens Fall vier Versuche erfordert. Beim dritten Versuch wird die Stimmung ein bisschen angespannt. Miguel ist aufgeregt und verliert die Hoffnung auf ein gutes Resultat. Bei einer Temperatur von 30 Grad hoffen auch wir, dass die Aufnahme gelungen ist.

Als Miguel zum vierten Mal Wasser über das Glas laufen lässt, kräuselt sich einer seiner Mundwinkel zu einem Lächeln, und die Erleichterung schwappt wie eine Welle über sein Gesicht: Wir haben es,“ sagt er heldenhaft, und alle Beteiligten lassen einen Seufzer der Erleichterung hören. “Und, was meinen Sie,” fragt er Helen. „Ja, schön, gut…. solange Sie zufrieden sind, Miguel.“ Er lacht:„Das soll keine Abbildung von Schönheit sein – das ist Kunst“

Alle sind sich einig und nicken. Wir finden, die Schönheit in Miquels Werken liegt in ihrer subtilen und dennoch erstaunlichen Stärke. Ein großartiger Beitrag zur Fotografie.
Diese außergewöhnliche Ausstellung wird am 20. September anlässlich der Nit de l‘Art (Kunst-Nacht) eröffnet, verpassen Sie nicht die Gelegenheit, die Verschmelzung von alter Kunst und moderner Fotografie im Casal Solleric in Palma zu bewundern.