Der Winter Ist Der Neue Sommer

DIE Welt ist von der Finanzkrise auf den Kopf gestellt worden – und die Globale Erwärmung hat mit den Jahreszeiten das Gleiche angestellt. Deshalb lautet meine Neujahrs-Botschaft vor dem Hopser nach 2011, diese Gaga-Welt vollständig zu verdrehen: Lasst uns den Winter zum neuen Sommer machen! Ja, ich gebe zu, dass mein Vorschlag ganz gut zur Geschichte von Alice im Wunderland passt, aber Sie müssen doch zugeben, dass der Gedanke wunderbar revolutionär ist – noch dazu ist er völlig neu. Er wurde bisher weder in den Medien verbreitet, noch auf der Entscheidungsebene internationaler Gremien diskutiert.

Das wird sich bald ändern. Leider konnte ich Ihnen mehrere Monate lang – aus Sicherheitsgründen – nichts von meinen Plänen erzählen. Vorher musste ich meinen Vorschlag eingehend mit FLOTUS diskutieren, die ich während ihres Sommerurlaubs in Málaga traf. Nun ist meine Idee offiziell vom Weißen Haus abgesegnet. Sie dürfen diese freudige Neuigkeit als Erste erfahren.

Die geheimnisvolle FLOTUS – die First Lady Of The United States – ist keine Geringere als Michelle Obama. Bei unserer Unterredung war sie natürlich nicht nur hocherfreut, sie war begeistert.

Es stellte sich heraus, dass die gute Michelle schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einer guten Idee war, die sie öffentlich darstellen und sich selbst damit ein Markenzeichen an der Seite ihres POTUS („President Of The United States“) – unter Freunden einfach Barack – geben konnte. Jetzt hat sie endlich so eine Idee gefunden.

Die Organisation eines Treffens mit ihr war selbstverständlich ein logistischer Alptraum. Zunächst mussten wir das technische Problem lösen, unsere beiden vollgepackten Terminkalender aufeinander abzustimmen und ein freies Fenster zu finden, das für beide passt. Unsere Personal Assistants wuselten Tag und Nacht, um alles zu arrangieren – und ich bin ihnen ewig dankbar, dass man sich schließlich auf den 8. August einigen konnte.

Desweiteren war es praktisch gesehen von höchster Wichtigkeit, den gefräßigen Teleobjektiven der Paparazzi bei unserem kleinen Tête-a-Tête aus dem Weg zu gehen – keine leichte Übung zur Prime Time des Sommers.

Sollte ich mit dem Helikopter mal eben zur Villa Padierna rüber hoppen, auf ein Gläschen markenfreies Mineralwasser mit der First Lady, ihrer 60-Mann-starken Entourage, 300 Polizisten und 70 Bodyguards? Wäre das nicht ein irres Gedränge? Wir würden uns nicht normal unterhalten können. Noch schlimmer: Niemand würde uns einen Drink servieren!

Viel attraktiver schien die andere Option, Michelle im privaten Esszimmer des Restaurants Buenaventura zu treffen – einer Station, die bei ihr sowieso auf dem Weg lag. Dort konnten wir in aller Ruhe über unsere Pläne reden und währenddessen von Meeresfrüchte-Delikatessen naschen, die noch am selben Morgen in den Tiefen des Mittelmeers fröhlich herumgeschwommen waren. So hätte ich das Ganze gerne gemacht. Die Atmosphäre schien viel vertrauter.

Und dann – wie hätte es anders sein können – ruinierte die spanische Königsfamilie alles! Das ist wirklich nicht fair. Kurz gesagt, es gab eine gute und eine schlechte Nachricht.

Ich komme gerne auf den Punkt, deshalb zuerst die schlechte Nachricht: König Juan Carlos und Königin Sofía fanden den Termin 8. August genauso vielversprechend wie ich – also sollten auch sie sich an diesem Tag mit Michelle treffen.

Und die gute Nachricht? Die lautet, dass ich als Folge der königlichen Entscheidung keinen weiten Weg zum Smalltalk mit FLOTUS hatte. Die Royals wollten das Treffen in der Sommerresidenz Marivent veranstalten, hier auf der Insel – also schickte mir Michelle eine verschlüsselte Botschaft, in der sie mir mitteilte, dass sie nicht aufs Festland kommen könne, sich statt dessen aber auf der Insel einfinde.

Somit fanden am 8. August zwei hochkarätige Meetings auf Mallorca statt – nicht nur eines. Nach dem Standard-Pressefoto auf der Terrasse von Marivent, an der Seite von König Juan Carlos, Königin Sofía und ihrer eleganten Schwiegertochter Prinzessin Letizia, schickten Michelle und ihre jüngste Tochter Sasha ihre Bodyguards weg, um mich auf einen informellen Happen ins ehemalige Fosh Food zu begleiten – der Laden heißt jetzt Tasca de Blanquerna, was nur wenige Insider wissen.

Mit Alltagsklamotten und überdimensionalen Sonnenbrillen getarnt, wirkten wir für Außenstehende wie eine gewöhnliche Gruppe gut situierter ausländischer Touristen in einer Ecke des Lokals – lediglich meine bedingungslos treue Assistentin Eva fiel ein wenig aus der Reihe. (Wir hätten die Königsfamilie gerne zum Mittagessen eingeladen, Letizia ganz besonders, aber das Risiko wäre zu groß gewesen, dass die Einheimischen sie erkennen.)

Obwohl es keine offizielle Verlautbarung gab, stimmte die First Lady schließlich darin zu, dass meine Vorschläge „klar wie Kloßbrühe“ seinen – wie sie sich ausdrückte.

Der Winter sollte laut unserer Übereinkunft der neue Sommer werden, weil:
– Die Globale Erwärmung den Sommer unerträglich heiß werden ließ – Immer mehr Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen der steigenden Temperaturen
– Der Massenandrang von Touristen auf die Hotels, die darauf nicht vorbereitet sind, lässt Raum für eine Reihe umwelttechnischer Bedenken – vor allem Trinkwasser-Knappheit.
– Der rußgeschwärzte Fußabdruck, den Millionen von Reisenden zwischen den Flughäfen dieser Welt hinterlassen (ganz zu schweigen von den zusätzlichen Auto-Transporten vom und zum Flughafen) ist ein zu hoher Preis für eine oder zwei Wochen Strand und Sonnenschein
– Obwohl wenige davon Kenntnis nehmen, ist doch jedem bewusst, dass überaus langes Sonnenbaden Hautkrebs verursacht – und die Zahl der Betroffenen steigt ständig.

Uns steht ein langes Tauziehen bevor, aber wir brauchen eine Kultur-Veränderung – und für kulturellen Wandel sind nunmal Visionäre wie meine Wenigkeit und FLOTUS zuständig.

In etwa zehn Jahren wird die überwiegende Mehrheit aller Menschen auch in den Sommermonaten arbeiten. Und wenn sie nicht arbeiten, werden sie ruhig unter einem Sonnenschutz sitzen und Informationen von ihren iPads ablesen. In diesen ruhigen Augenblicken werden sie sich alle…..auf den Winter freuen!

Dann packen wir unsere Taschen und schwärmen aus – maßvoll verteilt über mehrere Monate, nicht alle gleichzeitig – zu den Skipisten, den wichtigsten Metropolen der Welt und Sonnenparadiesen wie Mallorca – Destinationen, die alle attraktiver und nachhaltiger sein werden als je zuvor.

Der Wandel wird langsam von statten gehen, unter der Anleitung von verantwortungsvoll-intelligenten Leuten. Letztendlich klingt die Idee, der gesamten Welt den Sommerurlaub abzugewöhnen, merkwürdig, unwahrscheinlich, geradezu komisch. Doch der Winter hat den Sommer schon vor langer Zeit als Urlaubsperiode abgelöst: mit Weihnachten, Silvester und Kastanien-Rösten am offenen Kamin. Fröhliche Festtage!