Sri Lanka: Sollte ich noch dorthin reisen oder nicht?

Unsere Redakteurin HC gibt einen persönlichen Einblick in das geschockte Sri Lanka vor Ort

Wir kamen am frühen Morgen des 19. April 2019 an und konnten nicht annähernd ahnen, dass Sri Lanka innerhalb von 48 Stunden in Stück gerissen werden würde – durch ein Massaker am Ostersonntag, das die Welt schockiert und betäubt zurücklassen würde. Es wurde der Ausnahmezustand ausgerufen und die Sicherheit erhöht, so dass viele Touristen, wie auch wir selbst, unsicher sind, was den nächsten Schritt Sri Lankas angeht. Die Verwüstung, die das Land durchzogen hat, hat eine Traurigkeit hinterlassen, die Worte nicht beschreiben können. So wie Sri Lankas Herz gebrochen ist, ist auch unser Herz gebrochen.

Meine Familie und ich kamen dem Terrorismus schon sehr nahe. Am Samstagabend aßen wir im Cinnamon Grand in Colombo, ohne zu wissen, dass der Selbstmordattentäter zur gleichen Zeit dort eincheckte. Das Geräusch von Bombenexplosionen hat die Stadt erschüttert, aber wir haben uns in Sicherheit gebracht und später unseren besorgten Freunden und Familie mitgeteilt, dass es uns soweit gut geht:

»Vielen Dank für all eure besorgten Nachrichten – zum Glück sind wir in Sicherheit. Schrecklich, was in Colombo passiert ist… Das Hotel, in dem wir gestern zu Abend gegessen haben, war eines der Luxushotels, in dem die Menschen heute Morgen ums Leben gekommen sind.
Heute verbringen wir den Tag in Negombo und fuhren vor einer Stunde an der Kirche vorbei, wo heute Morgen mehr als 74 Menschen ihr Leben verloren haben, während sie die Ostermesse feierten.
Soooo traurig & sinnlos…
Wir senden liebste Grüße aus dem schockierten Sri Lanka …
«

Meine 13-jährige Tochter hatte große Angst und fragte, ob wir lieber abreisen sollten. Allerdings wollten wir unbedingt mehr dieses schönen Landes erkunden und so geht unsere Reise weiter.

Während wir an dem Krankenhaus in Negombo vorbeifahren, viele geliebte Menschen der Opfer warten draußen, frage ich mich, was Sri Lanka getan hat, um eine solche Grausamkeit zu verdienen. Die hohen Mauern und Stahltore der Hauptstadt deuten auf Sicherheitsbedenken hin, aber zehn Jahre nach dem Bürgerkrieg und es scheint, als ob die Kontrolle über die nationale Sicherheit etwas zu sehr gelockert wurde. Hunderte von Todesfällen später und ich bin traurig über die Idee, dass noch mehr hätte geschehen können.

Die jüngsten Erinnerungen an unsere Reise nach Ägypten sind in dieser Zeit schwer zu vermeiden. Mit jedem Tag, an dem die Trauer sich vertieft, machen Ägyptens strenge Sicherheit und erhöhte Vorsichtsmaßnahmen noch einmal deutlich, welche Lehren aus tragischen Ereignissen wie diesen gezogen werden. Die Auswirkungen des Terrorismus auf jedes Land sind vernichtend, aber der Gedanke an die sehr langsame Wiederbelebung des Tourismus in Ägypten macht mir gleichzeitig Sorgen um Sri Lankas Zukunft. Wir haben mit den Einheimischen gesprochen und unsere Unterstützung nach Möglichkeit angeboten, aber die Auswirkungen auf den Tourismus zeigen sich bereits. Wir haben gestern in den Chena Huts von Uga Escapes eingecheckt und wurden von der Rezeptionistin darüber informiert, dass es bereits 20 Zimmerstornierungen gab, von denen viele bereits bezahlt wurden. Zur Beruhigung hat uns das Hotel, in dem wir nächste Woche übernachten werden, über Folgendes informiert:

»Alle unsere Gäste und Mitarbeiter sind sicher aufgehoben und wir arbeiten normal weiter. Unsere Resorts liegen weit weg von Colombo in abgelegenen Gebieten. Die Resorts sind voll und die Gäste können sich versichert sein, dass sie in Sicherheit sind.
Dies ist der erste derartige Vorfall seit zehn Jahren. Ich bin zuversichtlich, dass die Sicherheit verstärkt wird und die Verantwortlichen der Angriffe aufgegriffen werden.
Es besteht keine Gefahr für Reisende bei ihrer Ankunft – dies war ein vereinzelter, unerwarteter Vorfall.«

Trotz der Tragödie, die Sri Lanka in den letzten Tagen erschüttert hat, sind wir immer noch froh, hier zu sein. Die Insel ist faszinierend und hat uns in dieser schwierigen Zeit nichts als Liebe gezeigt. Die Leute waren nett und das Niveau unseres Aufenthalts war bisher extrem hoch. Das Leid wird in den kommenden Wochen, Monaten und möglicherweise Jahren in ganz Sri Lanka nachwirken. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die Dunkelheit nachlässt und dieses tragische Ereignis die Tourismusbranche des Landes nicht gefährden wird.

Würde ich jetzt immer noch nach Sri Lanka reisen?

Wenn Sie schon gebucht haben, dann ja. Oder auch wenn Sie erst einen Besuch planen, aber noch nicht gebucht haben, lassen Sie sich nicht abschrecken. Es ist ein wunderschönes Land, geprägt von Geschichte und kultureller Vielfalt, das es zu genießen gilt. Die Sicherheit wurde auf der ganzen Insel erhöht und wir fühlen uns sicher genug, um unsere Reise fortzusetzen. Mit der Zeit hoffe ich, dass die Welt mit nichts als Freundlichkeit auf die Ereignisse reagiert, so wie die Menschen in Sri Lanka auch mir und meiner Familie begegnet sind – mit großzügiger Freundlichkeit.

Wie viele andere hoffe ich, dass es sich um einen einzelnen Vorfall handelt, der einen großen Weckruf für Sicherheitsdienste darstellt, nicht nur in Sri Lanka, sondern weltweit. Der entspannte Sicherheitsansatz, der in den letzten zehn Jahren hier genossen wurde, ist vorbei. Sri Lanka schließt sich jetzt dem Rest der Welt im Kampf gegen den Terrorismus an.

Excerpt: Die Redakteurin Helen Cummins berichtet über ihre Sicht zu den Angriffen auf Sri Lanka während ihres Urlaubs in Colombo. Finden Sie heraus, was sie über die Nachwirkungen des Terroranschlags sagt, während sie ihre Reisen durch das Land fortsetzt.