Der Perfekte Gastgeber

Gibt es den Schlüssel zu einer erfolgreichen Dinnerparty? Ich meine ja. “Und der wäre?”, werden Sie mich jetzt fragen. Doch so einfach ist die Sache nicht: es bedarf Jahre des geduldigen Ausprobierens, intensiver Beobachtung erfahrener Gastgeber, der Beratung durch Michelin-Stern-gekrönte Küchenchefs und natürlich eines Vorrats feinster Delikatessen und Weine. Und selbst dann kann noch einiges in die Hose gehen.

Scherz beiseite! Ich frage mich oft, wie schwierig es eigentlich sein kann? Ich habe gerade mal wieder Hell’s Kitchen gesehen, die englische Big Brother Variante für Gourmets – und konnte mit eigenen Augen beobachten wie Englands Starkoch Marco Pierre White einen ehemaligen Boxweltmeister, einen Comedystar, ein Dessous-Model aus Essex und einen TV-Moderator in die kulinarischen Ebenbilder von Supermann verwandelt hat.

Alles was Marco dazu brauchte, waren seine so typische Mimik und einige Phrasen wie: “Lasst mich euch an die Hand nehmen und euch führen”… “Die Natur ist der wahre Künstler, ich bin nur ein Handwerker”… und “Richtig oder falsch, richtig oder falsch?”… aus tollpatschigen Anfängern wurden willige Küchenhelfer, die von jetzt auf nachher in der Lage waren von feinster und politisch völlig unkorrekter Gänseleberpastete bis hin zum soufflierten Lachs alles zuzubereiten.

Das einzige Mal, als der Zustand der Teilnehmer etwas tranceartiges hatte, war als Marco hin und wieder durch die Küche rief. „Wofür sind Eure Finger da?“ – und die ganze Crew ohne auch nur aufzusehen oder sich gar ablenken zu lassen, wie aus einem Mund antwortete „zum Verbrennen, Chef!“. Gut für sie. Das ist es, was ich an Leuten schätze, die Essen für mich zubereiten – totaler Fanatismus. Denken Sie von Marco Pierre White mal abgesehen an die deutschen Stars wie Vincent Klink von der Wielandshöhe, Johann Lafer oder den Tausendsassa Tim Mälzer.

Doch zurück zum Ausgangspunkt. Die goldene Regel lautet ganz einfach: Stellen Sie sicher, dass das Essen perfekt ist. Andererseits gehört mehr zu einer perfekten Dinnerparty, damit aus bestem Essen und erlesenen Getränken einer jener unvergesslichen Abende wird. Das Ambiente – dieses gewisse Etwas, was schwer zu erreichen ist. Kombinieren Sie beides, Ambiente und kulinarische Weihen und ein erfolgreicher Abend ist Ihnen sicher. Denken Sie nur an „Das perfekte Dinner“ und welcher Gastgeber es geschafft hat, seine Mitstreiter wirklich zu überzeugen, um wertvolle Tipps zu erhalten.

Multikulturelle Dinnerparties sind selbstverständlich nochmal anders. Weil es neben herausragendem Essen und schönem Ambiente auch darum geht, die verschiedenen Kulturen zu beachten. Neben der Aufgabe Küchenchef zu sein, sind Sie auch noch Zeremonienmeister und Wahrer der Etikette.

Nehmen Sie zum Beispiel einen typischen mallorquinischen Abend. Ihre Gäste kommen wahrscheinlich aus England, Deutschland, Spanien, eventuell aus Holland, Italien und vielleicht sogar aus Amerika. Sozusagen eine Truppe weitgereister und erfahrener Gourmets. Erst neulich hat mir jemand von einer Party erzählt, an der nicht weniger als 10 Nationalitäten um ein und den gleichen Tisch versammelt waren! Welch nahrhafter Boden für kulturelle Missverständnisse! Die Holländer zum Beispiel essen gerne früh. Wenn Sie also aus Holland kommen, stehen Sie auf keinen Fall bereits um 18:30 Uhr vor der Türe Ihres spanischen Gastgebers, wenn dieser gerade gemächlich aus dem Pool steigt um anschließend gemütlich Einkaufen zu gehen. Das Essen wird sicherlich nicht vor 21:30 Uhr serviert, aber besser Sie fragen vorher nochmal nach.

In Frankreich oder Spanien ist es üblich und schick, etwas zu spät zur Dinnerparty zu erscheinen. Hier in der Dordogne in Frankreich, wo ich lebe, nennt man es le quart d’heure Périgourdin – die Perigourdinische Viertel Stunde, im deutschen Sprachraum besser als das „akademische Viertel“ bekannt. Hier ist es jedoch auch so, dass es sich, wenn erst einmal alle Platz genommen haben, um ein abendfüllendes Programm handelt, während es in Spanien Gang und Gäbe ist, am gleichen Abend mehrere Einladungen anzunehmen.
Internationale Gäste wird es nicht weiter überraschen, dass für deutsche Gastgeber Präzision alles ist. Wenn man für 20:00 Uhr eingeladen ist, heißt das auch 20:00 Uhr. Und wenn es eine Dinnerparty ist, sollten Sie den ganzen Abend dafür einplanen.

Wie bei den meisten anderen Nationalitäten auch, gehören die Mobiltelefone ausgeschaltet. Sie haben KEINESFALLS zu klingen und auch die ärgerlichen Piepstöne, die das Eintreffen eines SMS ankündigen, sind verpönt. Sollten Sie ein Gehirnchirurg sein und Bereitschaftsdienst haben, hinterlassen Sie besser die Festnetznummer Ihres Gastgebers für Notfälle im Krankenhaus – und vergessen Sie nicht, Ihren Gastgeber im Voraus darüber zu informieren.
Diesen Rat werden Sie übrigens im Knigge vergeblich suchen – aber halten Sie sich trotzdem daran.

Und auch den folgenden Tipp sollten Sie sich zu Herzen nehmen. In Köln und auch in Österreich ist es ein absolutes Muss, seinem Gegenüber in die Augen zu sehen, wenn man anstößt. Warum? Weil Sie sich sonst selbst zu sieben Jahren schlechtem Sex verurteilen. Zumindest will es der Aberglaube so, kein schlechter Scherz und nicht frei erfunden.

Doch warten Sie, das bestgehütete Geheimnis, wenn es darum geht eine erfolgreiche Dinnerparty auszurichten – ob international oder nicht, habe ich Ihnen noch nicht verraten.
Ja, es gibt eines und es ist eigentlich ganz einfach. Laden Sie Freunde ein, Menschen, die Sie mögen. Verzetteln Sie sich nicht mit ausufernden Tischrunden und Gästen, die Sie so gut wie nicht kennen. Laden Sie Ihre Gäste frei nach dem Motto „richtig oder falsch?“ ein.

Wie mit allen Weisheiten, ist gerade das Offensichtliche die Quintessenz des Ganzen!