Der Lieblings-Drink Weltoffener Kosmopoliten – Prost!

NUN GUT, ich kann geradeheraus sagen, dass es diese wundervolle Ausgabe von abcMallorca geschafft hat, eine riesige, unerklärliche Lücke meiner sündhaft teuren Ausbildung zu schlieβen: Ich habe gelernt, wie man einen Cosmo mixt – den absoluten In-Cocktail. Viele von Ihnen werden in der TV-Serie Sex and the City schon darauf gestoβen sein. Ich besitze verlässliche Informationen, dass es das Lieblingsgetränk von Carrie Bradshaw war, die von Sarah Jessica Parker gespielt wird. Sie hatte stets die bedauerliche Angewohnheit, damit herumzualbern, wenn sie mit ihren Freundinnen in der City um die Häuser zog.

Ich spreche von „verlässlichen Informationen“, weil ich zur absoluten Minderheit derer gehöre – besonders unter Frauen – die Sex and the City noch nie gesehen haben. Wie ich schon des öfteren habe durchklingen lassen, bevorzuge ich ruhige Abende, die ich mit dem Schmökern eines guten Buches oder mit Wagner-Hören verbringe. Bald werde ich 35 und dann ist bekanntlich jede Stunde Gold wert……

Ich erinnere mich daran, wie ich im Jahr 2002 meinen Fernseher dem Gärtner überreichte, damit der mit seiner ganzen Familie Operación Triunfo – das spanische DSDS – gucken konnte. Zu Spitzenzeiten klebten bei diesem Format 15 Millionen Zuschauer an der Mattscheibe – in Spanien absoluter Einschaltquoten-Rekord. Diese magnetische Anziehungskraft der Sendung auf eine so hohe Zahl scheinbar kerngesunder Menschen war ein Schock für mich. Ich beschloss kurzerhand, nie wieder den Einschaltknopf zu betätigen. Was hätte ich sonst tun sollen?
 Trotzdem sind heutzutage Boulevard-Informationen allgegenwärtig, und so bekam selbst ich mit, dass Carrie in der ersten Kinoversion von Sex in the City mit dem Cosmo-Trinken aufhört. Auf die Frage ihrer Freundin Miranda, warum sie die Dinger nun nicht mehr runterkippt, antwortet sie schmallippig: „Weil alle anderen damit angefangen haben“. Alles klar.

Wie man die Sache dreht und wendet, es ist nun mal Alkohol, und deshalb begann ich mit Nachforschungen. Ein Cosmo – so definiert es der Internationale Barmixer-Verband – wird aus Wodka, Triple Sec (Cointreau), Cranberry-Saft und entweder frisch gepresstem oder gesüβtem Limettensaft hergestellt. So weit so gut.

„Wird der Cocktail geschüttelt oder gerührt?“, höre ich schon die Schar der Daniel-Craig-Fans unter ihnen flüstern – während Sie allein beim Gedanken an ihn weiche Knie bekommen. Die Antwort lautet natürlich: geschüttelt.

Der Cosmo muss in einem Martini-Glas serviert werden, weshalb er oft mit einem Martini verwechselt wird. So wird ́s gemacht: Mixen Sie zwei Teile Wodka mit einem Teil Triple Sec (ohne Werbung zu machen plädiere ich für Cointreau). Danach geben Sie einen Teil Cranberrysaft und den Saft einer halben Limette hinzu. Wichtig für das Verständnis ist, dass Cranberry dem Drink hauptsächlich die typische Farbe verleiht und die Geschmacksnote nur minimal beeinflussen sollte. Auf den Rand des Glases wird eine obligatorische Limetten-Scheibe gesteckt. Und der Drink wird immer pur serviert – also ohne Eiswürfel.

Halt – nur wenige wissen, dass man einen Blue Cosmopolitan mixen kann, indem man weiβen statt roten Cranberry-Saft verwendet – und Blue Curaçao statt Triple Sec. 
Probieren Sie das unbedingt mal zu Hause aus. Wenn Sie es hinkriegen, müsste das Endergebnis der nicht-blauen Version hell- rosa schaumig schimmern – genau deshalb erfreute sich der Drink seit den 80er Jahren unter den überdrehten Mitgliedern der  Bevölkerung von Provincetown, Massachusetts, groβer Beliebtheit. Denn „P-Town“ ist eines der angesagtesten Urlaubsziele für Schwule und Lesben in den USA.
 Ich muss zugeben, dass der Drink verdammt lecker ist. Aber in düsteren Momenten hege ich die Befürchtung, dass wir eines Tages alle dort rumsitzen und eimerweise Cosmopolitans schlürfen – nicht, weil wir den Drink so gern mögen, sondern, weil wir ihn im Fernsehen gesehen haben, in Kinofilmen, auf Youtube, weil wir Facebook-Fans von Cosmo geworden sind oder die App auf unser i-Phone geladen haben.

Wenn ich heute Abend noch auf einen Sprung bei meinem Gärtner vorbeischaue, werde ich die ganze traute Familie auf der Terrasse sitzen sehen, wo sie Cosmopolitans trinken – genauso dicht gedrängt wie sie DSDS gucken. Sie eifern den gleichen Promis nach wie die Leute in New York, London, Paris und Hong Kong und lassen sich Frisuren machen wie Lady Gaga und Cristiano Ronaldo.

Die ganze Welt ist ein Dorf – bewohnt vom gleichen Dutzend Kosmopoliten, die dafür berühmt sind, berühmt zu sein. Was daran schlimm sein soll? Eigentlich nichts, auβer dass irgendwann der ganze Planet wahrscheinlich so aussieht wie eine demokratische Pop-Video-Version von Nordkorea.
 Damit das nicht passiert, braue ich gerade das Antiserum zusammen – einen ganz neuen Cocktail mit Namen….warten Sie mal…..ABC! Dieser soll regelmäβig aus einem silbernen Fläschchen getrunken werden und bewirken, dass Zeitschriftenleser ihre Individualität bewahren.

Um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten, an den abcMallorca-Leser gewöhnt sind, muss meiner Meinung nach Champagner der Haupt-Bestandteil sein. Trotzdem rate ich Ihnen, nicht zu viel von dem wunderbaren Prickelzeugs (bevorzugt Cristal von Louis Roederer) einzuschenken, denn es werden noch einige andere interessante Zutaten beigemengt. Mit Champagner als Basiselement würde ich einen recht unbekannten Drink wie American Rose als Leitfaden nehmen. Neben Champagner enthält er Brandy, Grenadine, Pfirsich und Pernod – auch für meine Verhältnisse eine ziemlich potente Mischung.

Damit auch ein bisschen vom einzigartigen Mallorca-Aroma dabei ist, sollten wir Pfirsich durch den fabelhaften Geschmack des heimischen Orangen-Likörs Angel d ́Or ersetzen. Dieser feine Tropfen wird auf der Finca Can Posteta im Tal der Orangen von Sóller destilliert.

Und garniert wird das Ganze, warten Sie mal…..mit Granatapfel-Kernen….jaaaa, Granatapfel-Kerne kommen oben drauf. Voilà, hier ist der ABC! Das Rezept setzte ich gleich auf meine Facebook-Seite.
 Gemeinsam mit meinen Freundinnen – den Keysianerinnen – habe ich gleich ein bisschen Marktforschung betrieben. Bei unserem obligatorischen Mittags-Treff bei Fosh Food letzte Woche war der ABC bereits der Renner.
 Ich hatte einfach das Gefühl, dass Kosmopolitentum und der Cosmo-Lifestyle schön und gut sind – solange sie nicht zu vorhersehbar werden und jeweils ihren Weg gehen können. Wir alle brauchen eine gesunde Portion Individualität….und noch einen ABC….oder drei! Zum Wohl!