Jetset für jedermann

Not macht erfinderisch. Als Clive Jackson im November 2009 zum letzten Mal mit British Midland Airways von Mallorca nach London flog – die britische Traditionsairline war von der Konkurrenz geschluckt worden und musste die Flugverbindung auf die Balearen einstellen – kam dem cleveren IT-Unternehmer urplötzlich eine Idee. Warum eigentlich nicht in Zukunft in einem unabhängig und flexibel operierenden Privatjet fliegen statt wie bisher bei einer zeit- und nervenaufreibenden Linienfluggesellschaft oder Lowcost-Airline? Noch etwas unsicher fragte er acht hinter ihm sitzende Mitreisende, ob sie sich vorstellen könnten, gemeinsam einen Jet für einen Flug nach Palma zu chartern und sich die Kosten zu teilen. Sie konnten es – und Clive Jackson war überzeugt, ihnen die passende Möglichkeit dafür bieten zu können.

Keine eineinhalb Jahre später war es soweit. Jackson ging mit seinem Internet-Portal „flyvictor.com“ an den Start, der ersten Flugbörse für Privatjets der Welt. Auf den ersten Blick funktioniert sie wie jede andere Website, auf der Flüge angeboten werden: Aus einer Liste von Angeboten sucht man sich einen Flug in einem Privatjet aus. Die Preise variieren dabei je nach Auslastung des Jets zwischen 3.500 und 500 Euro. Motto: Umso voller der Jet, umso billiger die einzelnen Plätze. Ein bedeutender Unterschied zu konventionellen Online-Fluganbietern besteht allerdings schon.  „Wenn nach einer Buchung mehr Sitzplätze im Flieger verkauft werden, bekommt der Passagiere stets die Differenz zwischen früherem und aktuellen Preis erstattet“, sagt Jackson. Und: Wem ein Angebot zu teuer ist, kann auch ein Gebot für einen Sitzplatz abgeben. Der Fluganbieter – dabei kann es sich um den Besitzer des Privatjets handeln oder aber jemanden, der einen Jet komplett gechartert hat – entscheidet, ob er das Angebot annimmt oder nicht.

Stolz ist Jackson vor allem auf eine ganz besondere Funktion seiner Website. Man kann bei ihm nämlich nicht nur unter bestehenden Angeboten aussuchen, sondern sich seinen eigenen Flug im Privatjet individuell erschaffen. „Stellen wir uns einmal vor, Sie möchten im November an einem bestimmten Wochenende von London oder Frankfurt nach Nizza oder Palma fliegen, finden aber kein entsprechendes Angebot auf der Homepage“, erklärt Jackson. Kein Problem. „Sie tragen Ihren Wunsch in eine Liste ein. Finden sich nun anschließend weitere Interessierte, die die gleiche Strecke zum gleichen Zeitpunkt fliegen möchten, generiert die Site-Software ein entsprechendes Angebot und schickt es Ihnen per Email nach Hause oder aufs Smartphone“, sagt Jackson.

Der Brite will mit „Flyvictor.com“ zwischen Angebot und Nachfrage in der Jetset-Branche vermitteln. „Zum einen bieten wir Menschen, die keinen eigenen Privatjet besitzen, die Möglichkeit, exklusiv zu fliegen“, sagt Jackson. Dass das keineswegs ein Luxus für verwöhnte Reiche ist, steht für ihn außer Frage. Viele Menschen hätten Warteschlangen in muffiger Luft und Gewaltmärsche durch Flughafenlabyrinthe, übergewichtige und ungepflegte Mitreisende sowie ewige Verspätungen satt – sie wollten einfach nur auf direktem Weg, schnell und flexibel an ihr Ziel kommen. „Wer heutzutage selbst kürzere Strecken mit dem Flugzeug zurücklegen will, braucht viel Zeit und Geduld. Die Schlangen vor dem Scheck-in und den Handgepäckschleusen werden immer länger.“ Inklusive An- und Abreise zum Flughafen gehe da schnell ein ganzer Tag bei flöten. Doch gerade für Geschäftsleute zählt immer mehr die Devise: Time is money. „Die Warterei am Airport ist reine Zeit- und Geldverschwendung“, meint Jackson. Auch den Glamour-Effekt, ein Privileg der Schönen und Reichen zu sein, hat die internationale Privatjetbranche nach Meinung von Jackson, mittlerweile abgeschüttelt – dank des florierenden Markts. „Heute ist das kein besonderer Luxus mehr, mit einem Business-Jet zu fliegen. Das ist zum normalen, schnellen Transportmittel geworden. Die Leute würden staunen, wenn sie wüssten, wie viele Mittelständler das machen.“

Und auch viele Flugzeugeigner schauten immer öfters aufs Geld. Für sie sei „flyvictor.com“ eine gute Möglichkeit, die eigenen Kosten erheblich zu reduzieren. „Ein Privatjet wird in der Regel nur selten voll ausgelastet. Flyvictor.com hilft, die bis dato oftmals leeren Hin- oder Rückflüge einer Privatmaschine zu oder von einer Destination, so genannte „empty legs“, in bare Münze zu verwandeln“, sagt Jackson.

Seine Mietflugzentrale kommt beim Publikum jedenfalls gut an. Bereits über 300 Mitglieder zählt die Jetset-Community europaweit, mehr als 150 Flugzeuge und 950 Airports sind in der Datenbank des Online-Portals registriert. Unter den Mitgliedern befinden sich übrigens auch einige Vierbeiner. „Hundebesitzer müssen bei Linen- und Chartergesellschaften ihre Lieblinge stundenlang in enge Boxen sperren. Das war für viele die reinste Tortur. Über unsere Webseite haben daher schon einige Frauchen und Herrchen einen Sitzplatz für ihren Hund gebucht“, erzählt Jackson.

Jackson will seine Privatjet-Flugbörse in den kommenden Jahren weltweit ausbauen. „Nach Europa werden wir unser Angebot auch in den USA, später in Asien vermarkten“. Und das soll sich nicht allein auf die Vermittlung von exklusiven Flügen beschränken. Bereits heute arbeitet die flyvictor.com mit Luxus-Hotels und Agenturen zusammen, um seinen Mitgliedern den bestmöglichen Service an ihren jeweiligen Reisezielen zu ermöglichen. „Vor ein paar Jahren wäre so ein Portal vielleicht noch nicht möglich gewesen“, glaubt Jackson. Die weltweite Wirtschaftskrise habe aber gerade die Reichen preissensibler gemacht. „Auch diejenigen, die es sich leisten können, Geld auszugeben, wollen ganz einfach sparen“.  Und sei wir mal ehrlich: Auf dem Ledersitz mit einem Glas Champagner in der Hand fliegt es sich ganz einfach besser als zusammengepfercht in der Economy-Glass mit einem pappigen Sandwich, oder.

Weitere Infos unter: www.flyvictor.com

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