Interview mit Künstler und Modedesigner Alex Sobrón

Der Teenager aus Palma mit großen Zielen

In Palma als Sohn einer französischen Mutter und eines spanischen Vaters geboren, schließt der dreisprachige Sobrón gerade sein Studium an einer britischen Schule ab und zieht ein internationales Publikum an. Seine Faszination für verschiedene Kulturen begann schon im Alter von sechs Jahren, als seine Großmutter mit einer Kiste voller Götterstatuen aus Indien zurückkehrte. In seiner Ausstellung “As Above So Below“, in der er digitale Zeichnungen mit Fotografie verbindet, erscheint sein Selbstporträt mit mehreren Köpfen, die an hinduistische Gottheiten und andere Religionen erinnern.

Sein Fokus hat sich seit damals geographisch verlagert, jetzt arbeitet er mit afrikanischer und japanischer Ikonographie. Gelegentlich wird er des kulturellen Missbrauchs bezichtigt, ein Begriff, den er hasst. „Die Leute verwenden diesen Ausdruck, um dich als Rassist abzustempeln, aber ich denke, wenn man die Menschen aufgrund ihrer Kultur trennt, und nicht in der Lage ist, sie zu teilen, ist das auch eine Form von Rassismus und Rassentrennung“.

Es ist ihm wichtig, dass seine Arbeit eine Botschaft vermittelt. Vor kurzem besuchte er Arco, die zeitgenössische Kunstmesse in Madrid, und war enttäuscht über den Mangel an sozialer und politischer Kritik. „Der Großteil der Werke schien für die Dekoration eines Wohn- oder Schlafzimmers geeignet zu sein. Mit allem, was momentan in der Welt passiert …“ und er zitiert Donald Trump, Marine Le Pen, die Zunahme von Nationalismus, Flüchtlinge und ein möglicher Krieg mit Nordkorea … „Warum zum Teufel drückt niemand all das mit Kunst aus, einem der mächtigsten Kommunikationsmittel schlechthin“?

Eines seiner populärsten Bilder auf Instagram ist von einer traditionellen japanischen Figur in einem Kimono, der mit vertrauten Logos in grellen Farben bedeckt ist. Ungezügeltes Konsumverhalten kommt einem in den Sinn.

Seine dreiteilige schwarz-weiß Serie mit afrikanischen Zeremonienmeistern, die als Blumentöpfe verwendet werden, erfordert etwas mehr nachdenken, wozu die Menschen generell weniger bereit sind, findet er. Er erzählt mir, dass es um die Kommerzialisierung kultureller Ikone geht.

Seine Arbeit in sozialen Netzwerken zu präsentieren ist notwendig, wenn er sich einen Namen machen will. „Dort gibt es die besten und die schlimmsten Kritiker“, sagt er. „Sie sagen jeweils, was sie denken“.

Im Großen und Ganzen hat seine Online-Präsenz zu positiven Ergebnissen geführt, darunter auch Kooperationen mit anderen Kreativen aus der Kunst- und Modebranche. Sein Background sind bildende Künste, aber momentan spricht ihn Mode-Design an. Und Alex sieht auf jeden Fall so aus, als ob er ein Modestatement macht. Ein gnadenlos heißer Sommertag hat ihn nicht davon abgehalten, ein langärmliges, selbst entworfenes Hemd, schwarze Jeans und hohe EZ-LAB-Stiefel zu tragen – letztere mit einem ebenfalls von ihm entworfenen Logo. Um den Hals trägt er symbolträchtige Perlen und Halsketten, darunter auch eine klobige afrikanische Maske, die in Teilen Afrikas wie eine Art Pass getragen wird, um zu unterscheiden, aus welchem Dorf man ist.

Die Leidenschaft für Mode liegt in der Familie. Sein mallorquinischer Großvater ging in seinen Zwanzigern nach Paris, um sich einen Namen zu machen und arbeitete dort mit einem bekannten Designer zusammen. Später eröffnete er, gemeinsam mit seiner Frau, einen Laden auf Jaume III, der ihre Entwürfe neben denen von Versace und Cavalli verkaufte. Sein Marke ”Solivellas“ wurde auf internationaler Ebene bekannt und seine Kollektionen in einigen der emblematischsten und luxuriösten Geschäfte weltweit verkauft.

Sobrons Mutter schreibt Trendbücher und ist die Person, der er vertraut, wenn er Ratschläge über die Branche braucht. Dank seiner Beharrlichkeit erhielt er auf der diesjährigen Pariser Modenschau viele Einladungen von aufstrebenden Designern.

Sein kurzfristiges Ziel ist es, in die renommierte “Central Saint Martins University“ in London aufgenommen zu werden. „Nur etwa 6% der Bewerber werden akzeptiert“, sagt er, „aber nur etwa 1% von Jugendlichen in meinem Alter haben erreicht, was ich schon erreicht habe“.

Sein langfristiges Ziel ist es, mit seinem eigenen Label erfolgreich zu sein. Er zeigt mir seine kleine Kollektion und einen flippigen Turnschuh, den er für die portugiesische Modemarke “Last Sole“ entwirft. Außerdem hat er ein weiteres Designprojekt mit dem französischen Modelabel EZ-LAB. Nach allem, was er mir erzählt hat, klingt sein Traum überhaupt nicht weit hergeholt.

Photos by Sara Savage